Kulturraum Allgäu - eine zu Unrecht vernachlässigte Größe
randnotiz 24

Datum
01.09.2019

Druckfrische Markenfibel der Allgäu GmbH

Im Rahmen des Allgäu-Tages auf der diesjährigen Jubiläums-Festwoche in Kempten wurde die Markenstrategie 2030 der Allgäu GmbH vorgestellt. Eine gedruckte Markenfibel nennt dabei die vier Markenkennwerte 'ehrenwert, heilsam, friedlich und originell' und stellt als Quintessenz des Ganzen den Begriff 'frisch' ins Zentrum eines sogenannten Markenlenkrades. Während Marketing ein Kleid darstelle, mit denen man sich anderen gegenüber präsentiert, drücke die Marke die eigentliche Seele einer Region aus, wie Thomas Staning, der Leiter der federführenden Agentur BWS aus Salzburg erklärte.

Auf der Suche nach der eigenen Identität

Richtigerweise setzt sich damit die Erkenntnis durch, nicht alles auf 'unsre Gäscht' hin auszurichten, um Ihnen vermeintlich zu gefallen, sondern sich auf die Suche nach der eigenen DNA zu machen, also herauszufinden, welches 'emotionale Fundament' die eigene Region trägt. Denn Authentizität generiert Attraktivität. So treten in der vorgestellten Begriffs- und Bildwelt zu recht viele Dinge in Erscheinung, die dem Allgäuer Wesen nachspüren, aber gleichzeitig eine ganz wesentliche Komponente nahezu außen vor lassen: nämlich diejenige der Kultur.

Fehlender Aspekt der Kultur

Die Identität einer Region wird immer auch ganz wesentlich geprägt von den kulturellen Beiträgen in Vergangenheit und Gegenwart. In den Bereichen Kunst, Theater, Musik, Literatur, Architektur und Gestaltung - die Aufzählung ließe sich beliebig fortsetzen - hat das Allgäu sicherlich wesentlich mehr prägende Beiträge anzubieten als das unablässig vorgezeigte Schloss Neuschwanstein. Das Allgäu wäre arm ohne das Künstlerhaus Marktoberdorf und das Landestheater Schwaben in Memmingen, ohne die Musik von Matthias Schriefl und die Dichter der Gruppe 47 am Bannwaldsee, ohne Gerstruben und die herausragenden Barockbaumeister, ohne den Gestalter Otl Aicher, den Filmemacher Leo Hiemer aus Maierhöfen und die Photografien von Lala Aufsberg, um nur einige ganz wenige Beispiele aus einem reichen Schatz zu nennen. Auch in unserer Zeit entstehen herausragende Leistungen in allen kulturellen Sparten, die dem Allgäu eine unverwechselbare Identität verleihen und damit nicht nur auf hohem Niveau unser Dasein reflektieren, sondern auch essentielle Zukunftsfragen aufwerfen. Wir sind der Überzeugung, dass - neben dem unbestritten Freizeitwert - der regionale Kultursektor nicht nur
für Allgäuerinnen und Allgäuer mit zu einem hohen Maß an Lebensqualität beiträgt, sondern auch für Besucher und die wiederholt bemühten fehlenden Fachkräfte eine nicht zu vernachlässigende Attraktion darstellt. Schließlich gilt es ja mit dem kulturellen Angebot in Metropolregionen zu konkurrieren.

Andere erfolgreiche Regionen machen's vor

Die Marken Graubünden, Südtirol oder Bregenzer Wald haben den Kulturbereich bereits seit längerem erfolgreich in den Mittelpunkt Ihres Selbstverständnisses gerückt. Bleibt sehr zu wünschen, dass sich die Erkenntnis eines regionalen Kulturraums auch bei uns durchsetzt und neben dem Wirtschaftund Toruismusraum Ihren berechtigten Eingang in die Marke Allgäu findet. Aufgerufen sind in diesem Zusammenhang besonders die Kulturschaffenden in der Region, die diesen Betrachtungsschwerpunkt in der Öffentlichkeit gemeinsam nachdrücklich einfordern sollten.

September 2019


Markenlenkrad der Allgäu GmbH

Graubünden-Homepage

Südtirol-Internetseite

Bregenzer Wald-Website

Basilika Ottobeuren, Johann Michael Fischer, 1737 - 66, ein Beispiel für ein überregional bedeutsames Gesamtkunstwerk im Allgäu (Bildquelle: saremba)